Rückblick 2017

Was ist Reformation? Historisch betrachtet: ein Skandal, eine Denk-Revolution.
Aber was ist sie heute? Feuer – oder nur Asche?
Der Arbeitskreis Kunst und Kirche an der Auferstehungskirche Fürth hat sich mit einem vierköpfigen Kunstteam (Christian Fritsche, Johanna Klose, Petra Annemarie Schleifenheimer & Roland Glaser) zusammengetan, um gemeinsam ein kritisch-kreatives Kunst-Programm zum Reformationsjubiläum auf die Beine zu stellen: mit Ausstellungen, Installationen, Performances, Konzerten und vielen Projekten zum Mitmachen.
Die Auferstehungskirche und ihre Umgebung wurde zum Raum für soziale Skulpturen: Podest, Tafelkreuz, Blauer ReformKiosk und Offene Altäre eröffneten neue Perspektiven.
Das Veranstaltungsprogramm kreiste um vier reformatorisch inspirierte Themen:
SINNSUCHE – was finde oder vermisse ich in mir?
WANDEL – was geschieht in der Welt um mich herum?
FREIRAUM – wie öffne ich mich für anderes in meinem Leben, was tue ich für andere?
BEGEGNUNG – was erlebe ich mit anderen Menschen, mit euch?

BEGEGNUNG
Martin Luther entwarf die Idee einer „demokratischen“ Kirche: einer Gemeinschaft, in der alle Gläubigen gleichberechtigt sind ihre menschliche Verbundenheit spüren können.
Das Projekt „ReformKiosk“ fragt: Was bedeutet „Kirche“ eigentlich ursprünglich? In der griechischen Bibel steht dafür das Wort „ekklesía“. Das heißt: Versammlung, Zusammenkunft.
Wir nehmen das beim Wort und entdecken den Raum der Kirche und um sie herum neu: als idealen Versammlungsort für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft. Wir begreifen „ekklesía“ als Ort von Gemeinschaft und Begegnung auf Augenhöhe. Als Gegenpol zu Fremdenangst und Ausgrenzung.
Kirche und Gesellschaft, Kunstschaffende und Publikum, Kirchennahe und Kirchenferne, Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen nehmen einander wahr, tauschen Ideen aus, kommen ins Gespräch.

SINNSUCHE
Wie und wo finde ich Antwort auf Fragen, die mich umtreiben? Lösungen für Probleme, die mich belasten? Wer oder was gibt mir Halt, wenn ich mich schwach fühle?
Das beschäftigt viele Menschen.
Auch den jungen Mönch und Sinnsucher Martin Luther hat es beschäftigt. Er fühlte sich unvollkommen, ungerecht, schlecht. Er sehnte sich nach dem „gnädigen Gott“, der ihn von drückenden Schuldgefühlen befreit.
In seinen Thesen 1517 kam er zu dem Schluss: Freiheit lässt sich nicht erzwingen. Freiheit kann ich nicht „kaufen“, weder durch Leistungen noch durch wohltätige Spenden. Freiheit entsteht nur durch Vertrauen. Und Vertrauen hieß für ihn: Glauben.
Auf wen oder was vertrauen Menschen heute, 2017? Was sind sinngebende Werte in unserer Zeit? An wen oder was glauben Menschen heute – auch wenn sie sich nicht als „gläubig“ bezeichnen?
Die künstlerisch gestalteten Räume in der Kirche und um sie herum sind offen für Menschen, die neugierig und auf der Suche sind.

FREIRAUM
Luthers Reformation steht auf der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit. Damals eröffnen sich für entdeckungslustige Menschen in Europa ungeahnte neue Räume:
Geografisch – mit der allmählichen Erkundung des ganzen Erdballs.
Wirtschaftlich – mit dem Aufkommen des Kapitalismus.
Kulturell – mit der Wiederentdeckung antiker Kunst und Lebensfreude.
Philosophisch – mit der Herausforderung, das eigene Leben selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu gestalten.
Die Aufbruchstimmung von damals wirkt bis heute weiter. Die Sehnsucht nach individueller Entfaltung, nach persönlichem Freiraum ist ein starker Motor.
Wir leben, verglichen mit anderen Epochen, in einer Zeit großer Freiheit. Und wir erleben zugleich, wie gefährdet die Freiheit ist: durch Gleichgültigkeit, Missbrauch, Terror.
Was bedeutet Freiheit für mich und andere?