Podiumsdiskussion: Zwischen Kanzel und Marktplatz

Dienstag, 31.10.2017, 11.00 Uhr, Podest Auferstehungskirche
Nürnberger Straße 15, Fürth
Zur Zeit der Reformation war die Kunst ein wichtiges Mittel, um die neue Sicht auf den Glauben zu verbreiten. Wie ist das heute? Hat moderne Kunst Kirche und Gesellschaft etwas zu sagen und sind diese bereit, sich etwas sagen zu lassen? Wo sehen KünstlerInnen das besondere Potential ihrer Ausdrucksform? Am 500. Jahrestag der Reformation diskutieren Kunstschaffende und im Kulturbetrieb Tätige über Kunst im Spannungsfeld von Kirche und Gesellschaft.
Auf dem Podest: Barbara Engelhard, Werner Müller, Elisabeth Reichert, Gerhard Rießbeck, Daniel Szemerédy 
Moderation: Irene Stooß-Heinzel
Musik: Sirka Schwartz-Uppendieck & Michael Herrschel 

Vernissage: Extrakt

Was war? Was bleibt? Was nehmen wir mit?

Zum Abschluss des Kunstprojekts zum Reformationsjubiläum lädt das Kunstteam (Christian Fritsche, Johanna Klose, Petra Annemarie Schleifenheimer & Roland Glaser) herzlich zur Vernissage „Extrakt“ ein:

am 31. Oktober 2017 um 12.30 Uhr in der Auferstehungskirche Fürth - direkt im Anschluss an die Podiumsdiskussion.

Unser Konzept 2017

Was ist Reformation? Historisch betrachtet: ein Skandal, eine Denk-Revolution.
Aber was ist sie heute? Feuer – oder nur Asche?
Der Arbeitskreis Kunst und Kirche an der Auferstehungskirche Fürth hat sich mit einem vierköpfigen Kunstteam (Christian Fritsche, Johanna Klose, Petra Annemarie Schleifenheimer & Roland Glaser) zusammengetan, um gemeinsam ein kritisch-kreatives Kunst-Programm zum Reformationsjubiläum auf die Beine zu stellen: mit Ausstellungen, Installationen, Performances, Konzerten und vielen Projekten zum Mitmachen.
Alle Termine finden Sie hier.  
Die Auferstehungskirche und ihre Umgebung wird zum Raum für soziale Skulpturen: Podest, Tafelkreuz, Blauer ReformKiosk und Offene Altäre eröffnen neue Perspektiven.
Das Veranstaltungsprogramm kreist um vier reformatorisch inspirierte Themen:
SINNSUCHE – was finde oder vermisse ich in mir?
WANDEL – was geschieht in der Welt um mich herum?
FREIRAUM – wie öffne ich mich für anderes in meinem Leben, was tue ich für andere?
BEGEGNUNG – was erlebe ich mit anderen Menschen, mit euch?

WANDEL
Reform oder Revolution? Was ist das richtige Rezept für Veränderungen in der Gesellschaft? Wenn es Missstände gibt: Hilft dann nur ein gewaltsamer Umsturz? Oder ist eine schrittweise Verbesserung möglich? Martin Luther setzte auf „Reform“. Er wünschte sich, dass die von Skandalen geschüttelte, für Verkrustungen anfällige Kirche sich immer wieder „reformiert“: Dass sie zurück und zugleich voraus blickt, indem sie immer neu nach ihrem ursprünglichen Sinn fragt und immer wieder zu ihren lebensfreundlichen Wurzeln zurückfindet.
Aus Luthers Reformwillen entwickelte sich die „Reformation“: eine dynamische Bewegung voller Chancen und Risiken. Sie baute alte Hierarchien und Institutionen ab und schuf neue. Sie weckte die Sehnsucht nach Glaubensfreiheit und verstrickte sich in Glaubenskriege.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, „dass nichts bleibt, wie es war“.
Die Gesellschaft ist im Umbruch, auch heute. Veränderung und Wandel kann jeden Menschen betreffen, gewollt und ungewollt. Und das fühlt sich für jeden Menschen, und in jeder Situation, anders an. Wann freue ich mich über Weiterentwicklung und Erneuerung? Wann spüre ich Verunsicherungen und Ängste?

 

BEGEGNUNG
Martin Luther entwarf die Idee einer „demokratischen“ Kirche: einer Gemeinschaft, in der alle Gläubigen gleichberechtigt sind ihre menschliche Verbundenheit spüren können.
Das Projekt „ReformKiosk“ fragt: Was bedeutet „Kirche“ eigentlich ursprünglich? In der griechischen Bibel steht dafür das Wort „ekklesía“. Das heißt: Versammlung, Zusammenkunft.
Wir nehmen das beim Wort und entdecken den Raum der Kirche und um sie herum neu: als idealen Versammlungsort für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft. Wir begreifen „ekklesía“ als Ort von Gemeinschaft und Begegnung auf Augenhöhe. Als Gegenpol zu Fremdenangst und Ausgrenzung.
Kirche und Gesellschaft, Kunstschaffende und Publikum, Kirchennahe und Kirchenferne, Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen nehmen einander wahr, tauschen Ideen aus, kommen ins Gespräch.

SINNSUCHE
Wie und wo finde ich Antwort auf Fragen, die mich umtreiben? Lösungen für Probleme, die mich belasten? Wer oder was gibt mir Halt, wenn ich mich schwach fühle?
Das beschäftigt viele Menschen.
Auch den jungen Mönch und Sinnsucher Martin Luther hat es beschäftigt. Er fühlte sich unvollkommen, ungerecht, schlecht. Er sehnte sich nach dem „gnädigen Gott“, der ihn von drückenden Schuldgefühlen befreit.
In seinen Thesen 1517 kam er zu dem Schluss: Freiheit lässt sich nicht erzwingen. Freiheit kann ich nicht „kaufen“, weder durch Leistungen noch durch wohltätige Spenden. Freiheit entsteht nur durch Vertrauen. Und Vertrauen hieß für ihn: Glauben.
Auf wen oder was vertrauen Menschen heute, 2017? Was sind sinngebende Werte in unserer Zeit? An wen oder was glauben Menschen heute – auch wenn sie sich nicht als „gläubig“ bezeichnen?
Die künstlerisch gestalteten Räume in der Kirche und um sie herum sind offen für Menschen, die neugierig und auf der Suche sind.

FREIRAUM
Luthers Reformation steht auf der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit. Damals eröffnen sich für entdeckungslustige Menschen in Europa ungeahnte neue Räume:
Geografisch – mit der allmählichen Erkundung des ganzen Erdballs.
Wirtschaftlich – mit dem Aufkommen des Kapitalismus.
Kulturell – mit der Wiederentdeckung antiker Kunst und Lebensfreude.
Philosophisch – mit der Herausforderung, das eigene Leben selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu gestalten.
Die Aufbruchstimmung von damals wirkt bis heute weiter. Die Sehnsucht nach individueller Entfaltung, nach persönlichem Freiraum ist ein starker Motor.
Wir leben, verglichen mit anderen Epochen, in einer Zeit großer Freiheit. Und wir erleben zugleich, wie gefährdet die Freiheit ist: durch Gleichgültigkeit, Missbrauch, Terror.
Was bedeutet Freiheit für mich und andere?

 


Kunstteam v. l.: Johanna Klose, Christian Fritsche, Petra Annemarie Schleifenheimer, Roland Glaser